Teamspiel

Aktionsfeld Team-Spiel

“Man könnte auch sagen, dass sich jedes Kind seinen Lebensstil schaffen muss, um sich in seiner Umwelt zurechtzufinden und sein Leben bewältigen zu können” (Gerda Siebenhüner in: “Lebensstil und Lebensstilanalysen von Ehen und Partnerschaften”. Überarbeitete Fassung eines Vortrags vor dem Landesverband der “Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie” in Berlin am 14.12.1988; in: “Zeitschrift für Individualpsychologie”, Heft 2, 14.Jahrgang 1989, S.111.).

“Das Wissen darum, dass wir uns bewusst und zielsicher den Partner wählen, der zu uns passt, erfordert die Aufarbeitung des individuellen Lebensstils. Seine Erkenntnis erleichtert die Unterscheidung von Projektion auf den Partner und eigener Problematik” (Siebenhüner, a.a.O. S.116).

In aller Regel suchen wir Team-Partnerinnen und -Partner nach den Vorstellungen unserer unterbewussten Systeme (=Lebensstile) aus. So ist es die Regel, dass Partnerinnen und Partner von ihren unterbewussten Systemen her Mutter und/oder Vater repräsentieren, die bzw. der auch ersetzt werden soll(en). In Konfliktsituationen wird dann leicht übersehen, dass mit einer Vorstellung gestritten wird, die wir uns von dem/der anderen gemacht haben, der Konflikt also eigentlich im eigenen Inneren gestartet worden ist. Zusätzlich gilt in der Regel für jede Partnerschaft: man/ frau lässt sich auf sie ein “plus” Hoffnung auf Heilung. Diese Partnerschaften haben “Substanz”, da die eigene Hoffnung immer einen Inhalt hat, auch wenn man ihn auf einen anderen überträgt. Nach Aufdeckung der Ursachen und Verarbeitung der Probleme, die zu einer Krise geführt haben, ist eine positive Gestaltung der Partnerschaft möglich.

Wenn die Eigenbeteiligung bei der pathischen Kategorie des Widerfahrnisses von “leben” heißt, sich an “leben” zu beteiligen, also am Widerfahrnis von “leben” teilzuhaben, so heißt die Eigenbeteiligung bei der pathischen Kategorie “lieben”, an der eigenen Lust am “leben” teilzugeben. Diese Teilgabe ist einerseits Orientierung an einer konkreten Person, andererseits unbedingtes Zeichen der Freiheit eines Menschen, deshalb auch Notwendigkeit, “lieben” nicht mit einem Besitz(anspruch) zu verwechseln. Deshalb gilt es auch beim Team-Spiel wahrzunehmen, dass nicht wir den anderen Menschen “brauchen”; weder im Sinne von “Ich brauche dich, weil ich dich liebe” (von E.Fromm <“Die Kunst des Liebens”, 1956> als angemessene Liebe bezeichnet), noch im Sinne von “Ich liebe dich, weil ich dich brauche” (von E.Fromm als unangemessene Form der Liebe bezeichnet), sondern dass der/die andere uns sozusagen “zu-gebraucht” wird, dass wir miteinander umgehen dürfen und dabei die Freiheit der anderen und eben auch ihre Andersartigkeit respektieren. Andernfalls kehrt sich die Dynamik wegen ihrer Umwandlung in gedachte Gefühle gegen das Individuum selbst und wirkt selbstzerstörerisch: Wir müssen stets zusätzliche Energie aufbieten, um die natürliche Energie zurückzuhalten. Wenn der “Ge-brauch” der individuellen Möglichkeiten für- und miteinander, so Umgang auch verstehbar, nicht an der Grenze des Erhalts der Entscheidungs- und Regenerationsmöglichkeiten des/der anderen endet, kommt es zum aversiven und destruktiven “Ver-brauch”. (Siehe dazu “Schmach usw.” und das Themaheft “Kritik des Patriarchats”, WuL 1/1990)

Das Team-Spiel selbst ist ein Feld, auf dem Partnerin und Partner sich gegenseitig teilgeben und akzeptieren können. Sie sollen nicht “eins sein”, nicht ihre persönlichen Ideen und Erfahrungen hinter der Gemeinsamkeit zurückstehen lassen. Im Team-Spiel leben beide gleichwertig von der Hoffnung her, gewiss sein zu dürfen. Dazu gehört die freie Willensentscheidung. Und der Mut, diese Entscheidung durchzuhalten.

Keine Partnerin und kein Partner kann die/den andere/n zwingen, dass diese/r “lieben” auf bestimmte Weise dokumentiert, wenn er/sie dieses “Spiel” nicht mit-spielt. Dabei ginge auch das Abenteuer verloren, die/den andere/n kennenzulernen; die Lust am anderen Menschen würde zum Selbstzweck und durch Misstrauen verraten, die eigene Phantasiewelt zum Maßstab des Spielerlebens gemacht. Die Eigenständigkeit ist kein Selbstzweck, sondern sekundäres Potential, primäre Ideen, Wünsche und wirkliche Gefühle auszudrücken. Tabuisierungen führen zum Verlust an Schönheit und Freiheit. Doch Gesprächsbereitschaft lässt sich auch nicht durch eine noch so deutliche Sprache erzwingen - Geduld als langer Mut, als Mut mit langem Atem, führt auch hier zu Erfahrungen inhaltlicher Kommunikation: sich verständlich machen ist die Grundlage zum Aufbau von Verständnis. Eine der stärksten moralistischen Abwertungen im Team-Spiel ist der Satz “Du verstehst mich nicht”.

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